Samstags morgens kurz vor 8:00 Uhr herrscht reges Treiben am
Schützenplatz Hackenbroich. Da Capo bricht auf zur jährlichen Chorfahrt.
Dieses Jahr nach Hamburg. Nach dem zweiten Zustieg in Horrem geht’s auf
die Autobahn. Und schon sitzen inkl. Fahrer Heinz und Reiseleiter
Helmut 41 Personen im Bus und fahren in den Norden. Ein geplantes
Mittagspicknick muss leider wegen Regens auf die nächste Rast
verschoben werden, aber was soll’s. Bei Da Capo ist man ja flexibel. Leider
etwas abgebremst durch diverse Staus (die Idee mit dem langen Wochenende
hatten wohl noch mehr Leute) kommen wir in Hamburg an. Im Motel One Am
Michel wird eingecheckt und dann geht es auch schon zu einem ersten
kleinen Spaziergang. Die Landungsbrücken werden in Augenschein genommen,
es wird getestet ob der Espresso oder auch das Eis in Hamburg so
schmecken, wie in Dormagen. Danach haben wir rechtschaffen Hunger
bekommen und begeben uns ins Cuneo. Nach einem abenteuerlichen Aufstieg
in den Speiseraum für größere Gesellschaften, sitzen wir bei Bullenwärme
im Restaurant, warten auf das Essen, diskutieren die vielfältigen
Erlebnisse des Anreisetages und lassen uns Getränke und Speisen
schmecken. Zu später Stunde begeben wir uns auf mehr oder weniger
direktem Weg ins Hotel. Natürlich führt uns der Weg auch über die
Reeperbahn, aber Helmut hat uns ja schon erzählt, dass diese ihre
verschiedenen Facetten hat. Wir bestaunen die Architektur der diversen
Kulturveranstaltungen auf der Reeperbahn. Aber wir sehen auch die
Schattenseite – während wir unter unseren Schirmen fröstelnd Richtung
Hotel marschieren, stehen da einige Damen, die dort offenbar noch einige
Stunden ausharren werden. Im Hotel angekommen wird dann auch noch der
eine oder andere Absacker genossen – ach ja, und es ergibt sich eine
kleine Quizrunde zu Fernsehserien aus unserer Kindheit. Gute Nacht John
Boy und wie sie alle heißen. Irgendwann gehen alle zu Bett, denn der
nächste Tag wird ja auch wieder ereignisreich.

Bereits zu nachtschlafender Zeit stehen die ersten von uns wieder auf. Um
5:00 Uhr beginnt der Fischmarkt. Für unsere Chormitglieder ist es nicht ganz
so früh. Aber um 6:00 Uhr fährt Heinz den Bus vor und bringt die Early Birds
zum Fischmarkt, einem bekannten Hamburger Event. Immer sonntags morgens
gibt es dort leckeren Fisch in allen Variationen, bei typischer Marktschreier-Atmosphäre.
Nebenher präsentieren sich einige Bands und runden das Ganze kulturell ab.

Das Frühstück in Lounge-Atmosphäre für die Nicht-Ganz-So-Früh-Aufsteher
ist ein wenig eigenartig und wohl auch nicht jedermanns Sache. Aber
Brötchen und Kaffee sind trotzdem lecker. Wir stärken uns gut, denn
wir werden in St. Ansgar erwartet, auch der „kleine Michel“ genannt, um
dort die Messe zu gestalten.

Zufälligerweise sollen am Sonntag auch ein
junger Mann getauft und eine Dame gefirmt werden. Der Kantor begrüßt uns freudig und erklärt uns die reichlich vorhandene Technik. Wir haben fünf Lieder von Jenkins und Rutter im Gepäck, die wir sicherheitshalber nochmal üben. Wir möchten uns ja gut präsentieren und ja: auch den beiden Ehrenpersonen des heutigen Tages einen denkwürdigen Tag mit-bereiten.
Die Messe beginnt in der etwas nüchternen aber sonnendurchfluteten Kirche pünktlich um halb 12. Der Pfarrer kündigt jedes unserer Lieder mit der deutschen Entsprechung aus den Psalmen an. Wir sind uns gar nicht so sicher, ob das notwendig ist. Zur Gemeinde des kleinen Michel gehören viele Schwarzafrikaner und Angehörige anderer Nationalitäten, die vermutlich den englischen Text
auch so verstehen. Nach einer reichlichen Stunde erhalten wir den Dank
der Gemeinde in Form von Applaus und begeben uns nach draußen, wo es
zwar frisch ist – aber entgegen der Wettervorhersage eine strahlende
Sonne uns begrüßt. Wir haben noch etwas Zeit, bevor es nachmittags mit
einer Stadtrundfahrt weitergeht. Einige von uns gehen stracks zum Hotel
zurück, um die gute Kleidung gegen bequeme auszutauschen. Andere, wie
z.B. mein Grüppchen, laufen erstmal quer durchs angrenzende
portugiesische Viertel Richtung Wasser und genießen Kaffee und Eis – wir
sind uns immer noch nicht sicher, ob es da geschmackliche Unterschiede
gibt. Muss man halt nochmal testen ;-).

Nachmittags treffen wir uns alle zur Stadtrundfahrt.
Während Heinz uns durch das Straßengewirr Hamburgs chauffiert, erzählt
die Stadtführerin sehr anschaulich von der Geschichte und Zukunft der Gebäude, an
denen wir vorbeifahren. Schließlich geht es auch zur Außenalster, wo wir
mal kurz aussteigen und den herrlichen Sonnenschein an einer tiefblauen
Außenalster genießen. Angekommen am Rathaus bietet die freundliche Dame uns
auch noch eine kurze Führung zu Fuß ums Rathaus an – die wir gerne annehmen.
Anschließend bleibt noch etwa eine Stunde zur persönlichen Verwendung. Nun
ja, wir haben während der Führung mitbekommen, dass verkaufsoffener
Sonntag ist, und der plötzliche Mitgliederschwund liegt wohl an der
seltsamen Einkaufsgravitation offener Läden. Oder daran, dass wir
nochmal einen Geschmackstest machen müssen. Nach besagter Stunde holt
uns Heinz ab und fährt uns zur Speisewirtschaft Opitz, wo wir eine
gutbürgerliche Küche genießen – und neue Vorlieben langjähriger
Chormitglieder entdecken. Sei es der Hang zur Selbstverstümmelung (ja,
die historischen oder historisierten gusseisernen Deckenleuchter hingen
für mache etwas tief) oder auch der Nahrungsmittelfetischismus (hat sich
eigentlich geklärt, wer die sieben offenen Krabbensuppen auf der
Rechnung angeblich hatte? ) Wir verabschieden uns vom Restaurant nicht,
ohne auch etwas aus unserem mitgebrachten Repertoire vorgesungen zu
haben. So kommen die Mitarbeiter des Opitz in den Genuss von „Cantate
Domino“ und „En unserem Veedel“. Und schon wieder ist ein Tag wie im Fluge
vergangen.

Montagmorgen: leider hat der Wetterbericht uns erstmal eingeholt. Es ist
nass, es ist kalt – ok, wohl nicht für einen Hamburger, aber wir
Rheinländer finden es „usselig“. Aber wir haben da einen Plan und den
wollen wir umsetzen. Bis 11:00 besteht die Möglichkeit zum Besuch der
Speicherstadt und HafenCity, die trotz des Schietwedders einige
Chormitglieder annehmen. Wir steigen direkt vor dem Miniaturwunderland
und Hamburg Dungeon aus und hätten ja große Lust, auch eine der
Ausstellungen zu besuchen. Aber leider ist die Zeit dafür zu kurz. Na
gut, dann doch lieber ein kleiner Stopp in der Kaffeerösterei, wo
gerüchteweise auch der Tee probiert wurde. Andere besuchen einige Meter
weiter das sehr kleine und dennoch gut aufgebaute Spicy’s, das
Gewürzmuseum. Aber die Zeit fliegt nur so und um 11:00 treffen wir uns
alle an der Wache Hafenkante. Dort werden wir in Empfang genommen von
Konstantin, der uns die Elbphilharmonie zeigen möchte. Der junge Mann
erzählt mit sehr viel Elan, guter Sachkenntnis und einer Prise des
trockenen Hamburger Humors über die Elbphilharmonie und ihre
Errichtung. Er demonstriert diverse Eigenheiten des Gebäudes, sei es nun
die computerberechnete Oberfläche der Wände, das kleine Problem mit den
Toiletten (sind etwas wenige für ein Haus mit so vielen Besuchern) und
testet auch unsere Hörfähigkeit. Einige Chormitglieder können
tatsächlich den Möwenschreck hören. Zum Abschied gibt es für jeden ein
lecker Franzbrötchen. Kein Geschmackstest nötig, die sind einfach lecker.

Im Anschluss werden wir wahlweise in die Speicherstadt/Hafencity
entlassen oder von Heinz in die Innenstadt gefahren. Nun kann sich bis
ca. 16:00 jeder etwas zu essen suchen, staunen, shoppen, was das Herz
eben so begehrt. Um 16:30 Uhr treffen wir uns schließlich alle wieder an
Landungsbrücke 6. Dort werden wir von einem Schiffsjung abgeholt und zu
unserer Barkasse für die Hafenrundfahrt gebracht. Der Kapitän zeigt uns
die diversen Hafenteile des Hamburger Hafens, erzählt von großen und
kleinen Werften, dem Wandel der Hafenstruktur von Speicher- zu
Containerhafen, Gezeitenausgleich. Und schon wieder verfliegt die Zeit
und viel zu früh entlässt er uns wieder aufs Festland. Und erst als wir
wieder auf dem Land stehen, fällt uns auf: es hat gar nicht schlimm
geschaukelt. Hm. Sind wir doch alle geborene Seemänner und -frauen? Naja
😉 Von den Landungsbrücken aus geht in einem kurzem Spaziergang zum Galego,
unserer dritten Abendlokalität. Die beiden portugiesischen Gastwirte
haben ihr Restaurant in einem komplett fensterlosen Turm. So sitzen wir
wenige Minuten später im Halbkreis einmal an der Außenmauer des Turms
entlang an Tischen und bändigen unseren Hunger. Für heute Abend
angekündigt: Tapas. Wir bekommen serviert: Pimientos, Scampi und einen
Hirtensalat. Danach sitzen wir halbwegs gesättigt da, aber naja, es hätte etwas
mehr
sein können. Aber gut, es gibt ja auch noch Getränke…. Hm, als wir dann aber nach
einiger Zeit Runde zwei und Runde drei serviert bekommen, ein Gericht
leckerer als das andere, müssen wir doch einsehen, dass es absolut reichlich
ist. Die beiden Inhaber sind sichtlich mit Begeisterung dabei – nicht
nur beim Servieren, sondern auch, als der Chor anfängt zu singen. Ein
ums andere Lied aus dem über dreißigjährigen Repertoire von Da Capo wird
gesungen – ich muss leider ein oder zweimal passen, es gibt Lieder die
„vor meiner Zeit“ gesungen wurden. Die letzten Nachtschwärmer sind bis
ca. 1:00 Uhr unterwegs. Einige Nachtschwärmer wollen nochmal zur
Reeperbahn. Aber die meisten begeben sich irgendwann Richtung Hotel, man
ist halt doch keine 20 mehr.

Dienstagmorgen kann sich die Sonne nicht richtig entscheiden: mal lugt
sie hinter einem Nieselschleier hervor und zaubert einen Regenbogen über
die tanzenden Hochhäuser in Hotelnähe und manchmal versteckt sie sich,
und es fisselt einfach nur. Aber Heinz steht zuverlässig 10:00 am
hinteren Hoteleingang, lädt uns alle ein, die Koffer auch. Und schon
startet Da Capo wieder Richtung Dormagen. Dank des Fahrverbots für LKWs
an Feiertagen wären wir eigentlich auch zügig vorangekommen. Eventuell
hätte die Zeit sogar für einen kleinen kulturellen Zwischenstopp
gereicht. Leider erwischten wir aber eine Vollsperrung wegen eines
brennenden Fahrzeugs und standen erstmal eine reichliche Stunde im Stau.
Nun ja, wir hatten es im Bus noch recht bequem und hoffen nur, dass es
zu keinem schlimmen Personenschaden gekommen ist. Kurz vor sechs fährt
der Bus erst in Horrem und später in Hackenbroich vor und wir
steigen aus. Nehmen die Koffer. Verabschieden uns. Und sind ein bisschen
traurig, dass die schöne Zeit so schnell vorbei ist. © Marleen Körner

 

Hamburg, wir kommen…